Nach den Spielen ist vor den Spielen
Die Bevölkerung in Frankreich wurde in die Planung der Olympischen Winterspiele 2030 nicht miteinbezogen. Umweltorganisationen mobilisieren für eine Beteiligung der Bevölkerung und für nachhaltige Spiele. Inzwischen bereitet die Schweiz ihre Olympia-Kandidatur für 2038 vor.
Die Bevölkerung in den französischen Alpenregionen hatte von der Bewerbung bis heute keine Möglichkeit, sich einzubringen. Deshalb reichten im Herbst 2025 mehrere Umweltorganisationen, darunter Mountain Wilderness France, Beschwerde vor dem Aarhus-Ausschuss der Vereinten Nationen ein. Der Aarhus-Konvention zufolge muss die Öffentlichkeit bei Entscheidungen mit erheblichen Umweltauswirkungen miteinbezogen werden. Die Beschwerde der Umweltorganisationen wurde für zulässig erklärt. Frankreich ist nun verpflichtet, sich vor dem Ausschuss zu erklären. Das Verwaltungsgericht Marseille urteilte bereits am 26. Januar 2026 zugunsten der Kläger:innen. Das Gericht bekräftigt die gesetzliche Verpflichtung zur Information und Beteiligung der Öffentlichkeit hinsichtlich Infrastrukturprojekten im Zusammenhang mit den Olympischen und Paralympischen Winterspielen 2030 in den französischen Alpen.
Als Reaktion auf die bislang fehlende Beteiligung gründete Protect Our Winters France eine erste Olympische Bürgerkonvention, die konkrete Vorschläge für nachhaltige Spiele mit einem langfristigen Nutzen für das Land entwickelte. Diese wurden Ende 2025 veröffentlicht und den zuständigen politischen Vertretern überreicht. Weiters wird ein Gesetzesentwurf zur Organisation der Olympischen Spiele 2030 diskutiert, der Anfang Februar verabschiedet werden soll. Verschiedene Organisationen mobilisieren gegen Ausnahmen von Umweltschutzgesetzen. Das anlässlich der Winterspiele von Milano-Cortina 2026 gegründete italienische Netzwerk Open Olympics will seine Erfahrungen mit einbringen.
Winterspiele 2038 in der Schweiz?
Die Schweiz steht mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im «privilegierten Dialog» als potenzieller Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2038. Nachdem die letzten drei Bewerbungen in kantonalen Volksabstimmungen scheiterten, ändert Swiss Olympic die Taktik. Die Wettkämpfe sollen dezentral in allen vier Sprachregionen stattfinden, und die Bevölkerung soll sich nicht in einer Abstimmung dazu äussern können. Swiss Olympic verspricht, dass bestehende Anlagen genutzt werden sollen und die Spiele nachhaltig durchgeführt würden. Ähnliche Zusagen wurden bereits im Vorfeld von Mailand-Cortina 2026 gemacht und nicht eingehalten.
Quellen und weiterführende Informationen:
www.lemonde.fr/sport/article/2026/01/13/jo-2030-l-assemblee-adopte-la-loi-olympique-renvoyee-a-un-compromis-entre-deputes-et-senateurs_6662065_3242.html (fr), protectourwinters.fr/cco-convention-citoyenne-olympique/ (fr), www.mountainwilderness.fr/communiques-de-presse/aarhus-jop2030 (fr), agir.greenvoice.fr/petitions/jo-2030-nos-montagnes-notre-climat-notre-argent-notre-droit-a-decider (fr), www.mountainwilderness.fr/communiques-de-presse/jop-2030-jugement-tribunal-marseille (fr), https://marseille.tribunal-administratif.fr/Media/mediatheque-ta-marseille/documents/2026/janvier/2514726-jo-2030 (fr), www.news.admin.ch/de/newnsb/LYIvuINaw6txEQXSOCFC5 (de, it, fr) ; www.srf.ch/news/schweiz/projekt-switzerland-2038-wie-realistisch-sind-die-schweizer-olympia-plaene-2038 (de)