Unsere Berge neu denken
Eindrücke von einem Jugendtreffen in den Alpen: An einem Sommerwochenende in einer Berghütte entstehen Ideen, Gedanken und Pläne rund um die glühende Asche eines Lagerfeuers. Die Mitglieder des CIPRA Jugendbeirats treffen sich persönlich in Imst-Pitztal/A, um sich eine bessere Zukunft für ihre geliebten Berge vorzustellen.
Während ich meine Gedanken sammle, frage ich mich, wie ich in wenigen Zeilen beschreiben kann, was der CIPRA Jugendbeirat (CIPRA Youth Council; CYC) ist und was das jüngste Treffen bedeutet hat. Im Kern ist der CYC eine Gruppe junger Menschen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität, die über die Alpen verstreut leben und durch ihre gemeinsame Leidenschaft für die Berge verbunden sind. Seit Januar treffen wir uns alle zwei Wochen online, um Ideen und Projekte innerhalb der CIPRA auszutauschen, deren Unterstützung wir dankbar annehmen. Der Wunsch, sich persönlich zu treffen, entstand ganz natürlich als spontane und menschliche Konsequenz.
Und so fanden wir uns in Imst-Pitztal wieder, versammelt um das Feuer, wo wir traditionelle Gerichte genossen. Der Veranstaltungsort hätte authentischer nicht sein können: ein ehemaliger Kuhstall, der heute als Berghütte für Rucksacktourist:innen dient. Am Samstag bremste der Regen unsere Pläne, gab uns aber Zeit zum Lesen, Reden und uns besser kennenzulernen. Zwei Hauptthemen wurden diskutiert: Overtourismus und die Arbeitssituation junger Menschen, beides relevant für die Zukunft der Alpenregion. Wir beschlossen, uns auf das erste Thema zu konzentrieren und uns einen ausgewogeneren und nachhaltigeren Bergtourismus vorzustellen.
Während unserer Nachmittagswanderung entlang von Schluchten und Brücken sprachen wir weiter über das Thema und planten eine von Jugendlichen organisierte Veranstaltung zum Thema Berge, um versteckte Juwelen in den Alpen bekannt zu machen. Trotz der Weite der Alpenkette, die sich vom Tyrrhenischen Meer bis zur Adria erstreckt und acht Länder umfasst, wurden einige Gebiete in den letzten Jahren vor allem aufgrund der sozialen Medien von Besucher:innen überrannt. Soziale Medien tragen zwar zur Überfüllung bei, können aber auch als leicht zugängliches Instrument zur Förderung weniger bekannter Täler dienen.
In diesem Zusammenhang spielen junge Menschen eine zentrale Rolle, und eine direkt von ihnen organisierte Veranstaltung könnte eine Gelegenheit sein, mehrere unterschiedliche, aber nicht miteinander in Konflikt stehende Ziele zu verbinden. Einerseits die Förderung weniger bekannter Reiseziele in den Alpen und andererseits die Möglichkeit für junge Menschen selbst, die Berge auf eine zugänglichere Weise zu erleben. Gleichzeitig würde die Initiative den lokalen Gemeinden zugutekommen, die dank der größeren Sichtbarkeit ihre soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung stärken könnten.
Wir stellten uns daher eine Veranstaltung mit Schwerpunkt Berge vor, mit Aktivitäten und Debatten, bei denen junge Enthusiast:innen neue Möglichkeiten entdecken, Ideen austauschen und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der alpinen Umwelt und ihrer Gemeinden beitragen könnten.
Der Sonntag kam schnell, zusammen mit letzten Überlegungen, einem gemeinsamen Frühstück und Abschieden vor der langen Heimreise. Die diskutierten Projekte sind ambitioniert, wie man es in diesem Alter erwarten würde. Vielleicht werden sie verwirklicht, vielleicht kehrt jeder wieder in seinen Alltag zurück. Aber schon die Organisation dieses Retreats und das Zusammenkommen waren ein Erfolg. Was bleiben wird, ist das Gefühl, nicht allein zu sein mit unseren Gedanken und unserer Liebe zu den Bergen.