Warum wir nicht in Bergseen baden sollten
Der Weitwanderweg Via Alpina, der sich durch acht europäische Länder zieht und insgesamt über 2.000 km lang ist, wird immer beliebter. Der Weg führt auch durch Slowenien und leitet Wander:innen an vier Seen im Tal der Triglav-Seen vorbei (Dvojno jezero – Doppelter See, Jezero v Ledvicah – Nierensee und Zeleno jezero – Grüner See). In Slowenien gibt es insgesamt vierzehn Hochgebirgsseen, die alle im ersten Schutzgebiet des Triglav-Nationalparks liegen. Für den Triglav-Nationalpark zeigen Besuchsdaten, dass es im Jahr 2019 rund 3,5 Millionen Übernachtungen gab. Aufgrund der immer heißeren Sommer zieht es viele Besucher:innen in höher gelegene Gebiete. Deshalb sind in den letzten Jahren die Hochgebirgsseen im Alpenbogen zu beliebten Orten für Erfrischung und Fotos in sozialen Medien geworden. So verlockend diese Orte mit ihrer Ruhe und Schönheit wirken, warnen Fachleute und Naturschützer:innen, dass das Baden in Bergseen ernsthafte Folgen hat.
Hochgebirgsseen sind empfindliche Bergökosysteme
Hochgebirgsseen sind empfindliche Wasserökosysteme, eingebettet in eine Berglandschaft. In Slowenien sind diese Seen meist klein, flach und schwach durchflossen. Aufgrund ihrer geringen Größe reagieren sie besonders sensibel auf Klimaveränderungen. Veränderte Niederschlagsmuster – mehr Regen, weniger Schnee und niedrige Niederschläge im Frühling und Sommer – beeinflussen den Wasserstand negativ. Neben einem Rückgang des gelösten Sauerstoffs, der für Wasserorganismen lebenswichtig ist, führen steigende Sommertemperaturen zu einem schnelleren Wachstum von Algen und Cyanobakterien, was ein „Blühen“ der Seen verursachen kann.

Blühen des Doppelten Sees, Foto: Stane Klemenc
Da die Seen nur schwach durchflossen sind, verdünnen sich Schadstoffe nicht und werden auch nicht ausgespült – sie verbleiben und reichern sich an. Schon eine minimale Eintragung von Stoffen kann deutliche Veränderungen der Wasserqualität verursachen und das gesamte Ökosystem des Sees beeinträchtigen. Eine erhöhte Nährstoffkonzentration im Wasser wird wissenschaftlich als „Eutrophierung“ bezeichnet (vom Griechischen „gut genährt“).
Zu betonen ist, dass die Gebiete, in denen sich die slowenischen Hochgebirgsseen befinden, überwiegend aus Kalkstein und Dolomit bestehen. Aufgrund dieser geologischen Struktur ist der Untergrund rissig und hat eine geringe Selbstreinigungskapazität. Das bedeutet, dass eventuelle Verunreinigungen nur schwer abgebaut oder durch natürliche Prozesse entfernt werden können. Das Wasser versickert rasch durch die Risse und speist unterirdische Grundwasserleiter, die auch als Trinkwasserquelle im Tal dienen können.
Warum ist das Baden verboten?
Beim Baden gelangen mineralische Nährstoffe, vor allem Phosphate, in den See. Jede:r Badende gibt etwa 1 Milligramm Phosphat ins Wasser ab. Gleichzeitig werden verschiedene chemische Substanzen vom Körper abgewaschen – zum Beispiel UV-Filter aus Sonnenschutzmitteln, Insektizide aus Repellents, Seifen, Parfüme und andere Pflegeprodukte, die zusammen mit Arzneimittelrückständen zu einer Gruppe sogenannter neuartiger Schadstoffe gehören. Da dieses Wasser in das Tal abfließt, können diese Stoffe Grundwasserquellen verunreinigen, die zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung genutzt werden. Unterhalb der Quelle der Savica, in der Nähe der Hütte bei der Savica-Brücke, wurden 32 verschiedene neuartige Schadstoffverbindungen nachgewiesen.
Auch nach dem Gesetz über den Triglav-Nationalpark (ZTNP-1) ist Baden in den Seen verboten. Ebenso sind andere Freizeitaktivitäten in den Seen des ersten Schutzgebiets untersagt.
Der Respekt vor der Natur ist eine gemeinsame Verantwortung – wir sollten Sorge für die Gewässer tragen und darauf achten, dass unser Handeln ihren ökologischen Zustand nicht verschlechtert.
Autorinnen: Dijana Čataković Biagi, Katarina Česnik, Katarina Žemlja
Quellen:
- Mrak, I., Kotnik, K. (2020). Öffentliche Präsentation der umfassenden Besucherüberwachung im Triglav-Nationalpark. Verfügbar unter: www.tnp.si/sl/javni-zavod/medijsko-sredisce/novice/novica/79/javna-predstavitev-celovitega-spremljanja-obiska-v-triglavskem-narodnem-parku.html (sl)
- Brenčič, M. et al. (2022). Neuartige Schadstoffe in den Gewässern des Ljubljaner Beckens. Naturwissenschaftlich-technische Fakultät, Universität Ljubljana. Verfügbar unter: www.ntf.uni-lj.si/og/wp-content/uploads/sites/3/2024/11/Novodobna-onesnazevala-v-vodah-Ljubljanske-kotline-2022.pdf (sl)
- Gesetz über den Triglav-Nationalpark (ZTNP-1), Amtsblatt der Republik Slowenien Nr. 52/10, 46,14. Verfügbar unter: https://pisrs.si/pregledPredpisa?id=ZAKO5487 (sl)
- CianoSlo, Verfügbar unter: https://www.ciano.si/ali-lahko-cianobakterije-cvetijo/ (sl)