Wenig Nutzen, viel Zerstörung: Kritik an Wasserkraftplänen im Kaunertal

Rechtfertigt ein geringer energiewirtschaftlicher Nutzen gravierende Eingriffe in die Gewässerökologie und in sensible alpine Lebensräume? Die CIPRA verneint das in ihrer im September 2025 eingereichten Stellungnahme zum geplanten Ausbau des Wasserkraftwerks im Kaunertal/A.

Das Kernstück des Projekts der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) bildet der Speicher Platzertal mit einer 120 Meter hohen Staumauer. Ergänzt werden soll er durch das 400-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk «Versetz» und Wasserfassungen an Gebirgsbächen.

Moorzerstörung verletzt Bodenschutzprotokoll

Der Speichersee im Platzertal würde rund 11 Hektar Moore und Feuchtgebietskomplexe zerstören; Lebensräume für seltene und teils streng geschützte Arten. Zum Ausgleich will die TIWAG das Moor verpflanzen. Einer Studie der IG Moorschutz zufolge brauchen Moore geeignete Umweltbedingungen, welche am neuen Standort voraussichtlich nicht gegeben sind. Aufgrund der grossflächigen Beeinträchtigung und dem Verlust eines intakten Moores verletzt das Bauvorhaben das Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention.

Vorhabensteilung widerspricht EU-Recht

Den Bau von Wasserfassungen an Gebirgsbächen im Ötztal bezeichnet die TIWAG als einen späteren zu genehmigenden «Vorhabensteil». Dies widerspricht EU-Vorschriften für Umweltverträglichkeitsprüfungen und verhindert eine gesamthafte Beurteilung der Umweltauswirkungen. Im bereits eingereichten Vorhabensteil werden Flüsse wie der Platzerbach, Tösnerbach oder der Inn beeinträchtigt. Damit steht das Projekt im Widerspruch zum Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Mindestens sieben Jahre Bauzeit

Die TIWAG verteidigt sein Milliardenprojekt mit mehr Flexibilität für das Stromnetz und Einsparung von CO-Emissionen. Die Bauzeit beträgt mindestens sieben Jahre, aber Österreich will bereits in fünf Jahren seinen gesamten Strombedarf mit Erneuerbaren decken. Eine energiewirtschaftliche Analyse im Auftrag des WWF zeigt Alternativen auf, wie etwa die Nutzung vorhandener oder im Bau befindlicher Anlagen. Die CIPRA fordert eine fundierte Prüfung des Vorhabens.

Stellungnahme vom 10. September 2025

Weiterführende Informationen: 

www.lebenswertes-kaunertal.org (de), www.fluessevollerleben.at (de), www.global2000.at/platzertal (de), www.ots.at/presseaussendung/OTS_20240318_OTS0093/wwf-zerstoerung-des-platzertals-durch-tiwag-sinnlos (de), www.wwf.at/neue-studie-pumpspeicher-im-platzertal-koennte-milliardengrab-werden/ (de)