Wie Bergerlebnisse inklusiv werden
Berge sind für alle da – oder? Tatsächlich bleiben sie für viele unerreichbar, sei es aufgrund logistischer, finanzieller oder sozialer Hürden. Wie Outdoor-Aktivitäten inklusiver werden, zeigen inklusive Camps und das neue Handbuch «Mountains for All».
Von Outdooraktivitäten in den Bergen sind sozial benachteiligte Personen oft ausgeschlossen. Aus diesem Grund organisiert das Projektteam von «Via Alpina Youth» inklusive Outdoorcamps und hat nun auch ein Handbuch veröffentlicht. Das Handbuch versammelt Perspektiven von Expert:innen aus allen Alpenländern – darunter Bergführer:innen, Sozialpädagog:innen sowie eine Umweltpädagogin. Ende Juni 2025 erkundeten neun Teilnehmende die Dolomiten, Anfang Juli 2025 erlebten 19 junge Menschen die Bergwelt rund um Chamonix.
Naturerfahrungen als Wendepunkt
«Was wie ein freier Zugang zur Natur erscheint, ist oft exklusiv und diskriminierend», sagt Henriette Adolf. «Bergsport ist teuer und wird meist von Menschen ohne Migrationshintergrund ausgeübt. Für echte Teilhabe braucht es inklusive Programme, finanzielle Unterstützung und Bildung von klein auf», meint die Umweltpädagogin und bis 2024 stellvertretende Geschäftsführerin von CIPRA Deutschland. «Die Berge sind mehr als ein Ort – sie sind ein Raum für Transformation», erklärt Damien Urbain von der französischen Organisation En Passant Par la Montagne. «Gerade für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen können Naturerfahrungen ein Wendepunkt sein.» Marjeta Čič vom slowenischen InPlaninec-Komitee betont die Rolle von Freiwilligen: «Durch ihre Anwesenheit, ihre Zeit, ihr Verständnis und ihr Herzblut schaffen sie Möglichkeiten, wo vorher keine waren. Und sie wachsen dabei selbst.»
Berge als Lernräume
Das Handbuch enthält praxisnahe Tipps und Anleitungen für inklusive Aktivitäten in der Natur. «Berge sind Lern- und Erfahrungsräume und können heilsame Erlebnisse für Menschen in schwierigen Lebenssituationen bieten, fernab vom Alltag und sozialen Zwängen», erklärt Projektleiterin Maja Kogovšek. «In einer Gruppe lernt man, aufeinander zu warten, zuzuhören, sich gegenseitig zu unterstützen und sich anzupassen. Man lernt, mit dem endlosen Geschwätz oder dem stillen Rückzug eines anderen umzugehen. Man teilt Snacks, Geschichten und Stille. Und langsam vereinfacht sich die Welt. Sie reduziert sich auf das Wesentliche – unsere grundlegenden menschlichen Bedürfnisse und die Bindungen, die wir unterwegs aufbauen.»
Das kostenlos online verfügbare Handbuch «Mountains for All» richtet sich an Jugendorganisationen, Bergsportvereine und Bildungseinrichtungen.
Weiterführende Informationen zum Projekt: www.cipra.org/de/via-alpina-youth