Standpunkt: Ein Funken Hoffnung

In den Nachrichten folgt täglich eine Schreckensmeldung auf die Nächste. Wir sollten uns davon nicht entmutigen lassen und vom Gefühl der Ohnmacht emanzipieren, meint Maja Kogovšek. Sie leitet ein CIPRA-Projekt, in dem Jugendliche Utopien entlang der Via Alpina besuchen – dabei lernen sie, dass schon kleine Veränderungen viel bewirken können.

Tatsache ist, wie Jane Goodall1 es ausdrückte, dass das angeblich klügste Wesen des Planeten seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Wer sich der Situation bewusst ist und zugleich die vielen negativen Nachrichten verfolgt, kann schnell die Hoffnung verlieren. Doch es gibt auch andere Stimmen: Visionär:innen, Träumer:innen und Macher:innen, die mit Projekten und Ideen neue Perspektiven eröffnen. Genau auf solche positiven Zukunftsgeschichten konzentrieren sich die «Visit Utopia»-Exkursionen unseres Projekts Via Alpina Youth. Projektpartner:innen haben dabei mit jungen Menschen Orte besucht, die unser soziales, kulturelles und wirtschaftliches System hinterfragen und gemeinsam zu einer nachhaltigeren Berg- und Lebenswelt beitragen.

Positive Geschichten und Begegnungsräume sind entscheidend, um den gesellschaftlichen Wandel erfolgreich zu gestalten.

Menschen sind soziale Wesen. Neurobiologisch ist unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Wertschätzung so grundlegend wie Nahrung.2 Deshalb müssen wir Orte schaffen, an denen Begegnung, Zuhören und gegenseitiges Interesse möglich sind. Initiativen wie die von uns vorgestellten «Visit Utopias» zeigen, dass selbst kleine Veränderungen Wirkung entfalten können. Sie stellen bestehende Systeme infrage und verdeutlichen Modelle des Zusammenlebens jenseits von Materialismus und Individualismus: Solidarität, Genügsamkeit und Frieden. Solche Utopien schaffen Hoffnung und Mut, die gerade in Zeiten globaler Krisen unverzichtbar sind. Sie inspirieren zum Handeln, zeigen Möglichkeiten auf und machen deutlich, dass Wandel nicht nur notwendig, sondern auch machbar ist. Oft teilen sie eine zentrale Botschaft: Lokales Handeln ist wichtig, jede und jeder von uns kann tagtäglich einen Unterschied machen.1

Für den Wandel brauchen wir die Fähigkeit, unseren alltäglichen Herausforderungen konstruktiv und erfolgreich zu begegnen. Dazu benötigen wir emotionale Stärke, Sensibilität3 und das Bewusstsein, dass wir Teil des Ökosystems sind. Inspirierende Gruppenaktivitäten fördern dieses Bewusstsein und verdeutlichen, dass wir gemeinsam mehr erreichen können als allein. Sie öffnen Räume für Dialog und für die Erkenntnis, dass Vielfalt und gegenseitige Unterstützung tragende Säulen einer lebenswerten Zukunft sind. Diese Zukunft hängt davon ab, ob wir bereit sind, bestehende Werte zu hinterfragen und trotz aller Widrigkeiten den Mut zum Handeln aufbringen. Jeder Schritt in Richtung Dialog, Vielfalt und gemeinsamer Verantwortung ist ein Funken Hoffnung. Wir haben die Voraussetzungen für eine gelingende Zukunft – entscheidend ist, dass wir sie auch wirklich wollen und bereit sind, sie aktiv zu gestalten.

1 Utopia Redaktion. (2023, October 12). Jane Goodall im Interview: Die Menschheit hat vier grundlegende Probleme. Utopia. https://utopia.de/jane-goodall-im-interview-die-menschheit-hat-vier-grundlegende-probleme_670294
2 Bauer, J. (2019). Wie wir werden, wer wir sind: Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz. Blessing.
3 Dohm, L., & Schulze, M. (2022). Klimagefühle: Wie wir an der Umweltkrise wachsen, statt zu verzweifeln. oekom Verlag.